PDF-Tagging selbst machen: Tags, Lesereihenfolge und Artefakte richtig setzen
Veröffentlicht am 27. Oktober 2026
PDF-Tagging bedeutet, jedem Inhalt einer PDF ein Strukturetikett (Tag) wie Überschrift, Absatz, Liste, Tabelle oder Abbildung zu geben, und zwar in der Reihenfolge, in der er gelesen werden soll, während alles rein Dekorative als Artefakt ausgeblendet wird. Am einfachsten entstehen die Tags schon beim Export aus Word oder LibreOffice; eine fertige PDF taggen Sie in Adobe Acrobat Pro automatisch vor und korrigieren danach Tags-Baum, Lesereihenfolge, Artefakte, Titel und Sprache von Hand, bevor Sie mit dem kostenlosen PDF Accessibility Checker (PAC) prüfen.
Was PDF/UA verlangt und welche PDFs in Ihrem Shop betroffen sind, erklärt unser Überblick PDF/UA im Onlineshop. Ob sich die Reparatur einer PDF überhaupt lohnt oder ein Neusatz schneller ist, entscheiden Sie mit PDF barrierefrei machen. Dieser Artikel ist die Werkstattanleitung für den Teil dazwischen: das Taggen selbst.
Zu den Quellen: Alle Klickwege stammen aus der deutschen Acrobat-Hilfe von Adobe. Deren Seiten lehnten am 27.10.2026 den direkten Abruf ab (Fehler 403). Wir haben sie deshalb über Snapshots im Internet Archive gelesen und verlinken diese; das Datum der letzten Aktualisierung durch Adobe nennen wir jeweils mit. Adobe baut die Oberfläche von Acrobat gerade um und benennt dieselben Werkzeuge auf verschiedenen Hilfeseiten unterschiedlich. Wo das so ist, nennen wir beide Namen. Im Zweifel finden Sie ein Werkzeug über das Suchfeld in Acrobat.
Was Tags sind und warum „getaggt“ allein nicht reicht
Eine PDF beschreibt zunächst nur, wo auf der Seite welches Zeichen steht. Die Tags sind eine zweite, unsichtbare Ebene darüber: ein Baum aus Strukturelementen, der sagt, was ein Inhalt ist und in welcher Reihenfolge er kommt. Screenreader lesen diesen Baum. Adobe schreibt dazu: „Sprachausgabeprogramme folgen beim Lesen von Tags der Reihenfolge der Baumstruktur“ (Adobe-Hilfe, Barrierefreie PDF-Dateien erstellen, aktualisiert am 7. Juli 2025, Snapshot vom 9. März 2026).
Die Kernanforderung von PDF/UA zitiert die PDF Association in ihrem Tagged PDF Best Practice Guide: Syntax (Version 1.0.1, Snapshot vom 8. März 2026) aus der Norm ISO 14289-1: „Content shall be marked in the structure tree with semantically appropriate tags in a logical reading order.“ Drei Dinge also: Jeder Inhalt steckt in einem Tag, der Tag passt zur Bedeutung, und die Reihenfolge ist logisch. Der Hersteller von PAC bringt es auf seiner Seite PDF-Barrierefreiheit auf den Punkt: „Falsche Tags sind eine ebenso große Barriere wie nicht vorhandene Tags.“
In den WCAG 2.2 entsprechen dem vor allem die Kriterien 1.3.1 Info und Beziehungen und 1.3.2 Bedeutungstragende Reihenfolge, beide Stufe A. Wie das W3C das für PDFs konkret umsetzt, zeigen die Techniken PDF3 zur Lesereihenfolge und PDF4 zu Artefakten.
Die wichtigsten Tags
Im Bedienfeld „Tags“ von Acrobat erscheinen die Tags mit ihrem Kurznamen in spitzen Klammern, etwa <P> oder <Figure>. Die Bedeutungen unten stammen aus dem Abschnitt „Standard-Tags für PDF-Dokumente“ der Adobe-Hilfe zu den Bedienfeldern Inhalt und Tags (aktualisiert am 16. Dezember 2024, Snapshot vom 9. Juni 2026), die Regeln in der Spalte „Darauf achten“ aus derselben Seite und dem Best Practice Guide der PDF Association.
| Tag | Bedeutung | Wann Sie ihn brauchen | Darauf achten |
|---|---|---|---|
| Document | Stammelement der Tag-Struktur | einmal, ganz oben im Baum | alle anderen Tags liegen darunter |
| Sect, Div, Art, Part | Container für Abschnitte, Artikel, Teile | um Inhalte zu gruppieren | dienen laut Adobe der hierarchischen Gruppierung, sagen selbst nichts über die Art des Inhalts |
| H1 bis H6 | Überschrift der Ebene 1 bis 6 | jede sichtbare Überschrift | laut PDF Association verlangt PDF/UA-1, keine Ebene zu überspringen |
| P | Absatz | Fließtext | ein Absatz, der über zwei Seiten läuft, bleibt ein einziges <P> |
| L, LI, Lbl, LBody | Liste, Listeneintrag, Aufzählungszeichen oder Nummer, Inhalt des Eintrags | jede Aufzählung | unter <L> nur <LI>; das Aufzählungszeichen gehört in <Lbl>, nicht in <LBody> |
| Table, TR, TH, TD | Tabelle, Zeile, Kopfzelle, Datenzelle | echte Datentabellen | Kopfzellen als <TH>, nicht als <TD>; optional gruppiert in THead, TBody, TFoot |
| Figure | Abbildung | Fotos, Grafiken, Diagramme mit Aussage | braucht Alternativtext; Text in einer Abbildung liest der Screenreader laut Adobe nicht vor |
| Caption | Bildunterschrift oder Tabellenbeschriftung | Beschriftungen | gehört zur Abbildung oder Tabelle |
| Link | Hyperlink | jeder anklickbare Link | ein beschreibender Alternativtext hilft, wenn sonst nur die Adresse vorgelesen wird |
| TOC, TOCI | Inhaltsverzeichnis und dessen Einträge | Inhaltsverzeichnisse | eigene Hierarchie, nicht als normale Liste |
| Note, Reference | Fußnote, Verweis | Fußnoten und Querverweise | Fußnotenzeichen im Text als Verweis auszeichnen |
| Form | Formularfeld | ausfüllbare Felder | braucht eine Textbeschreibung, die der Screenreader vorliest |
| Span | beliebiges Textstück | Textstücke mit eigener Eigenschaft | etwa ein fremdsprachiges Wort, das eine eigene Sprache bekommt |
| Artefakt (kein Tag) | Inhalt außerhalb des Tags-Baums | Kopf- und Fußzeilen, Seitenzahlen, Schmucklinien, Hintergründe | darf nichts enthalten, was nur dort steht und Bedeutung hat |
Erzeugt ein Programm eigene Tag-Namen, etwa aus Absatzformaten, braucht jeder davon laut Adobe eine Rollenzuordnung auf einen dieser Standard-Tags. Sie sehen und ändern sie im Bedienfeld „Tags“ über Optionen > Rollenzuordnung bearbeiten.
Der beste Weg: Tags schon beim Export setzen
Adobe rät selbst, „schon bei der Erstellung der Quelldateien in einer Ausgangsanwendung wie einem Textverarbeitungs- oder Seitenlayoutprogramm an die Barrierefreiheit“ zu denken. Beim Export kann das Programm laut Adobe Absatzformate und andere Strukturinformationen auswerten, um eine logische Baumstruktur zu erstellen. Das klappt nur, wenn Überschriften als Überschriften formatiert sind und Listen mit der Listenfunktion entstehen.
Kostenlos mit LibreOffice: Laut LibreOffice-Hilfe zum PDF-Export wählen Sie Datei > Exportieren als > Als PDF exportieren… und auf dem Register Allgemein die Option Indiziertes PDF (fügt die Dokumentstruktur hinzu), die „PDF-Tags“ schreibt, oder gleich Barrierefreiheit (PDF/UA). Ist PDF/UA gewählt, ist das indizierte PDF automatisch aktiv. Wie Sie so ohne Acrobat zu einer barrierefreien PDF kommen, auch aus Word, beschreibt unser Ratgeber Barrierefreie PDF erstellen ohne Acrobat.
Ein kostenloses Werkzeug, das den Tags-Baum einer fertigen PDF so vollständig bearbeitet wie Acrobat Pro, haben wir in den Herstellerquellen nicht belegt gefunden. PAC zeigt Tags nur an. Die folgenden Schritte beschreiben deshalb Acrobat Pro. Die Hilfeseiten zu Leserichtung, Tags und Barrierefreiheitsprüfung kennzeichnet Adobe als Teil von Acrobat Pro.
Schritt 1: Kopie anlegen und nachsehen, was schon da ist
Speichern Sie vor der Arbeit eine Kopie. Adobe weist darauf hin, dass Rückgängigmachen und Wiederholen im Werkzeug „Leserichtung“ nicht bei allen Vorgängen funktionieren (Adobe-Hilfe, Werkzeug Leserichtung, aktualisiert am 28. September 2023, Snapshot vom 9. März 2026).
Öffnen Sie dann das Bedienfeld „Tags“. Laut Adobe-Hilfe zum Prüfen der Barrierefreiheit (aktualisiert am 7. Juli 2025, Snapshot vom 11. März 2026) führt der Weg über das Hamburger-Menü > Anzeigen (Windows) oder das Menü Anzeigen (macOS), dann Ein-/Ausblenden > Seitenbereiche > Barrierefreiheits-Tags. An anderer Stelle derselben Seite heißt der Eintrag „Seitliche Bedienfelder > Tags für Barrierefreiheit“, auf älteren Seiten nur „Tags“.
- Ist der Baum leer, hat die PDF keine Tags. Weiter mit Schritt 2.
- Gibt es einen Baum, stammen die Tags meist aus dem Programm, das die PDF erzeugt hat. Prüfen Sie sie mit den Schritten 3 bis 7. Beachten Sie: Das Werkzeug „Leserichtung“ ist laut Adobe für PDFs gedacht, die in Acrobat getaggt wurden, nicht für Tags aus einer anderen Ausgangsanwendung. Solche Tags korrigieren Sie im Bedienfeld „Tags“, oder Sie gehen, wenn möglich, zurück zur Quelldatei.
Schritt 2: Automatisch taggen und warum das nur ein Anfang ist
Öffnen Sie Alle Werkzeuge > Mehr anzeigen > Für Barrierefreiheit vorbereiten. Links erscheint die Liste der Aktionen. Wählen Sie PDF automatisch Tags hinzufügen; eine andere Adobe-Seite nennt denselben Befehl „PDF-Datei automatisch kennzeichnen“. Treten Probleme auf, zeigt Acrobat laut Adobe einen „Bericht zum Hinzufügen von Tags“ mit den Problemen je Seite, einem Link zur Stelle und Korrekturvorschlägen. Arbeiten Sie diesen Bericht zuerst ab.
Neuere Acrobat-Versionen bieten zusätzlich Alle Werkzeuge > Barrierefreiheit vorbereiten > Dokument automatisch taggen, ein cloudbasiertes Tagging. Es erkennt laut Adobe-Hilfe zum cloudbasierten Tagging (aktualisiert am 6. November 2023, Snapshot vom 16. März 2026) Überschriften, Tabellen mit und ohne Trennlinien, verschachtelte Listen und die Lesereihenfolge mehrspaltiger Layouts. Adobe schreibt: „Beim cloudbasierten automatischen Tagging wird die PDF-Datei nicht in der Cloud gespeichert.“ Ist die Datei ungeeignet, taggt Acrobat lokal wie bisher. Ein- und ausschalten lässt sich die Funktion in den Voreinstellungen (Strg+K unter Windows, Befehl+K unter macOS), Kategorie Barrierefreiheit, Option Cloudbasiertes automatisches Tagging für Barrierefreiheit aktivieren.
Warum das Ergebnis nur ein Entwurf ist, sagt Adobe in der Hilfe zum Erstellen barrierefreier PDFs selbst. Bei den meisten Standardlayouts entstünden geeignete Tags, aber:
- eng nebeneinander angeordnete Spalten, unregelmäßige Textausrichtung, nicht ausfüllbare Formularfelder und Tabellen ohne Rahmen werden nicht immer richtig erkannt, mit falsch kombinierten Elementen oder falscher Reihenfolge als Folge;
- das automatische Taggen kann „nicht immer zwischen erklärenden Abbildungen und dekorativen Seitenelementen wie Umrandungen, Linien oder Hintergrundbildern unterscheiden“; solche Elemente bekommen dann fälschlich Abbildungs-Tags;
- Zierbuchstaben am Absatzanfang können als Abbildung statt als Text getaggt werden.
Alternativtexte setzen Sie ohnehin selbst; Adobe führt dafür eine eigene Aktion (Schritt 7). Rechnen Sie also damit, dass die Schritte 3 bis 7 die eigentliche Arbeit sind.
Schritt 3: Lesereihenfolge prüfen und korrigieren
Wählen Sie Alle Werkzeuge > Für Barrierefreiheit vorbereiten > Probleme bei der Leserichtung beheben. Ältere Hilfeseiten nennen dasselbe Werkzeug „Leserichtung“. Stellen Sie vorher die Einzelseitenansicht ein (laut Adobe Anzeige > Seitenanzeige > Einzelseitenansicht), weil die Schaltfläche Seitenstruktur löschen die Tags aller sichtbaren Seiten entfernt, auch teilweise sichtbarer.
- Aktivieren Sie im Dialog Seiteninhaltsgruppen anzeigen und dann Seiteninhalt-Reihenfolge. Acrobat zeigt jeden Bereich als nummerierten Block. Die Nummer ist seine Position in der Lesereihenfolge.
- Lesen Sie die Nummern der Seite durch. Folgen sie nicht der Logik, klicken Sie auf Reihenfolge-Fenster anzeigen und ziehen Sie den Eintrag an die richtige Stelle. Acrobat nummeriert danach neu. Sie können Blöcke auch direkt auf der Seite ziehen.
- Enthält ein Block zwei Textspalten oder Text, der nicht dorthin gehört, rät Adobe, ihn in Teilbereiche zu teilen. Ziehen Sie dazu ein Rechteck um jeden Teil und weisen Sie ihm seinen Typ zu.
- Weisen Sie jedem Block den passenden Typ zu: Text/Absatz, Überschrift 1 bis Überschrift 6, Abbildung, Abbildung/Bildunterschrift, Tabelle, Formularfeld, Formel, Notiz, Referenz oder Hintergrund/Außertextliches Element.
- Ist die vorhandene Struktur einer Seite unbrauchbar, setzt Seitenstruktur löschen sie zurück und Sie bauen sie mit den Typen neu auf.
Typischer Fall im Shop: Besonders anfällig sind laut Adobe eng nebeneinander angeordnete Spalten, im Shop also zweispaltige Produktdatenblätter und Kataloge. Liest der Screenreader zeilenweise quer über beide Spalten, ergibt der Text keinen Sinn mehr. Prüfen Sie diese Seiten immer einzeln.
Was am Ende zählt, ist der Tags-Baum. Die Prüfregel „Logische Lesereihenfolge“ kann Acrobat laut Adobe nicht automatisch beurteilen: „Stelle sicher, dass die im Panel ‚Tags‘ angezeigte Leserichtung mit der logischen Leserichtung des Dokuments übereinstimmt.“ Auch das W3C nennt in Technik PDF3 das Bedienfeld „Tags“ als Ort, die Lesereihenfolge zu korrigieren. Wie das geht, steht in Schritt 4.
Schritt 4: Den Tags-Baum durchgehen und korrigieren
Alle folgenden Befehle stammen aus der Adobe-Hilfe zu den Bedienfeldern Inhalt und Tags. Sie erreichen sie im Bedienfeld „Tags“ über das Menü Optionen oder per Rechtsklick auf einen Tag.
- Alles aufklappen: Strg-Klick auf das Pluszeichen (Windows) oder Wahltaste-Klick auf das Dreieck (macOS) neben dem Tag-Stamm zeigt den ganzen Baum.
- Inhalt sichtbar machen: Aktivieren Sie Optionen > Inhalt markieren. Wählen Sie dann einen Tag, hebt Acrobat den zugehörigen Inhalt auf der Seite hervor. Umgekehrt findet Tag in Auswahl suchen den Tag zu einer Stelle, die Sie auf der Seite markiert haben.
- Von oben nach unten lesen: Gehen Sie den Baum Tag für Tag durch und vergleichen Sie mit der Seite. Die Reihenfolge im Baum ist die Reihenfolge, in der vorgelesen wird.
- Tag-Typ ändern: Tag auswählen, Optionen > Eigenschaften, im Menü Typ den richtigen Typ wählen, Schließen. So wird aus einem fälschlichen <P> eine <H2>.
- Tag verschieben: Ziehen Sie den Tag an die richtige Stelle; eine Linie zeigt mögliche Positionen. Oder Ausschneiden, den Tag oberhalb der Zielposition wählen und Einfügen (gleiche Ebene) oder Untergeordnetes Element einfügen (eine Ebene tiefer).
- Fehlenden Tag ergänzen: Inhalt auf der Seite auswählen, dann Tag aus Auswahl erstellen, oder Neuer Tag mit Typ und optionalem Titel.
- Nicht getaggten Inhalt finden: Optionen > Suchen sucht nach nicht markierten Inhalten, Kommentaren, Verknüpfungen und Anmerkungen und lässt Sie ihnen Tags zuweisen.
- Überflüssiges entfernen: Tag löschen entfernt einen leeren oder doppelten Tag. Leere Tags sind laut PDF Association nur in wenigen Fällen sinnvoll, etwa eine leere Tabellenzelle <TD>.
Adobe empfiehlt, das Bedienfeld „Tags“ zum manuellen Hinzufügen von Tags nur zu nutzen, „wenn alle anderen Methoden nicht in Frage kommen“. Für Detail-Tags von Tabellen, für Listen und für Abschnitte mit mehreren Sprachen ist es laut Adobe aber der einzige Weg.
Prüfpunkte im Baum:
- Überschriften: Ebenen ohne Sprung, also nach <H1> eine <H2>, nicht gleich <H4>. Nach dem Taggen können Überschriften laut Checkliste des Landeskompetenzzentrums Barrierefreie IT Hessen falschen Ebenen zugeordnet sein.
- Listen: <L> enthält nur <LI>, davor höchstens eine <Caption>. Jedes <LI> enthält ein <LBody> mit dem Inhalt und, wenn die Liste sichtbare Aufzählungszeichen oder Nummern hat, davor ein <Lbl> dafür. Die Acrobat-Prüfung meldet falsch aufgebaute Listen unter „Listenelemente“.
- Abbildungen: Jede <Figure> hat einen Alternativtext oder ist in Wahrheit Dekoration und wird zum Artefakt (Schritt 5).
- Absätze: Eine Überschrift, die wegen eines Zeilenumbruchs in zwei Überschriften zerfallen ist, nennt die PDF Association als typischen Fehler. Führen Sie sie zu einem Tag zusammen.
Schritt 5: Artefakte setzen
Artefakte sind Inhalte, die zur Darstellung gehören, aber nicht zum Inhalt: Kopf- und Fußzeilen, Seitenzahlen, Trennlinien, Hintergründe, Schmuckgrafiken, ein Logo, das auf jeder Seite wiederkehrt. Laut Adobe werden außertextliche Elemente von Bildschirmlesehilfen nicht gelesen, und „bei Seitenzahlen sowie Kopf- und Fußzeilen bietet sich in der Regel die Kennzeichnung als außertextliches Element an“ (Adobe-Hilfe, Inhalt und Tags). Die PDF Association schreibt, dass Seitenzahlen als Artefakte ausgezeichnet werden müssen und Kopf- und Fußzeilen nicht zur Lesereihenfolge gehören. Das W3C beschreibt in Technik PDF4, wie dekorative Bilder als Artefakt aus der Struktur verschwinden.
Acrobat bietet drei Wege, je nachdem, wo Sie gerade arbeiten. „Artefakt“ und „außertextliches Element“ meinen bei Adobe dasselbe.
| Wo Sie sind | Was Sie tun | Quelle |
|---|---|---|
| Werkzeug „Probleme bei der Leserichtung beheben“ | Rechteck um das Element ziehen, Hintergrund/Außertextliches Element wählen; Acrobat entfernt es aus der Tag-Struktur | Adobe, Werkzeug Leserichtung |
| Bedienfeld „Tags“ | Tag auswählen, Tag in außertextliches Element ändern | Adobe, Inhalt und Tags |
| Bedienfeld „Inhalt“ (Hamburger-Menü oder Anzeigen > Ein-/Ausblenden > Seitenbereiche > Inhalt) | Rechtsklick auf das Objekt, Artefakt erstellen (auf der älteren Seite: Außertextliches Element erstellen) | Adobe, Barrierefreiheit prüfen |
Die wichtigste Grenze: Ein Artefakt darf nichts tragen, was der Leser braucht. Die PDF Association nennt es „semantically inappropriate“, bedeutungstragende Inhalte als Artefakt auszuzeichnen. Steht etwa die Rücksendeadresse oder ein Gültigkeitsdatum nur in der Fußzeile Ihrer Preisliste, ist das nach unserer Lesart kein Artefakt; taggen Sie diese Fußzeile einmal als Inhalt oder nehmen Sie die Angabe in den Fließtext auf. Ein Logo mit Aussage, etwa ein Prüfsiegel, ist eine Abbildung mit Alternativtext; dasselbe Logo als Schmuck in jeder Kopfzeile ist ein Artefakt.
Schritt 6: Tabellen grob richtig auszeichnen
Adobe nennt das Taggen von Tabellen auf Zellebene in Acrobat „arbeitsintensiv“ und rät, die Tabelle wenn möglich in der Ausgangsanwendung neu zu erstellen (Adobe-Hilfe, Inhalt und Tags). Für eine einfache Tabelle reicht meist dieser Weg:
- Im Werkzeug Probleme bei der Leserichtung beheben ein Rechteck um die ganze Tabelle ziehen und Tabelle wählen.
- Rechtsklick auf die Tabelle, Tabellen-Editor. Acrobat zerlegt die Tabelle in Zellen. Mit Tabellenzellen anzeigen sehen Sie, wie sie erkannt wurden.
- Im Bedienfeld „Tags“ kontrollieren: Unter <Table> liegen Zeilen <TR> mit Kopfzellen <TH> und Datenzellen <TD>, wahlweise gruppiert in <THead>, <TBody> und <TFoot>. Die Acrobat-Prüfung verlangt laut Adobe eine Kopfzeile in jeder Tabelle und in jeder Zeile gleich viele Spalten.
- Eine Kopfzelle, die als <TD> getaggt ist, ändern Sie über Optionen > Eigenschaften > Typ in <TH>.
- Verbundene Zellen brauchen die Attribute ColSpan oder RowSpan: Zelle wählen, Optionen > Eigenschaften, im Dialog TouchUp-Eigenschaften auf Tag und Attributobjekte bearbeiten. Den genauen Ablauf mit Wörterbuch, Layout-Wert „Table“ und Schlüssel beschreibt Adobe auf derselben Seite.
Die PDF Association ergänzt: Ist die Zuordnung nicht über die Attribute Headers und ID geregelt, braucht jede Kopfzelle <TH> das Attribut Scope, also die Angabe, ob sie für eine Zeile oder eine Spalte gilt. Bei Größentabellen mit verbundenen Zellen oder mehreren Kopfzeilen ist das der Punkt, an dem ein Neusatz der Tabelle in Writer oder Word schneller sein kann. Eine optionale Tabellenzusammenfassung setzen Sie mit Rechtsklick auf die Tabelle im Leserichtungswerkzeug und Tabellenzusammenfassung bearbeiten.
Schritt 7: Alternativtexte, Sprache und Dokumenttitel
Alternativtexte: Adobe beschreibt den Weg Alle Werkzeuge > Für Barrierefreiheit vorbereiten > Alternativtext hinzufügen; Acrobat geht dann alle Abbildungen durch. Im Leserichtungswerkzeug geht es auch per Rechtsklick auf eine Abbildung und Alternativtext bearbeiten, im Bedienfeld „Tags“ über Eigenschaften des <Figure>-Tags und das Feld Alternativtext. Adobe weist darauf hin, dass Alternativtext nur auf Tags ohne untergeordnete Tags gehört. Was in den Text gehört, erklärt unser Ratgeber Alternativtext in PDFs.
Sprache des Dokuments: Laut Adobe über das Hamburger-Menü (Windows) oder Datei (macOS), dann Eigenschaften > Erweitert, unter Leseoptionen die Sprache wählen. Fehlt sie in der Liste, tragen Sie den ISO-639-Code ein, für Deutsch „de“. Das W3C-Kriterium dazu ist 3.1.1 Sprache der Seite.
Sprache einzelner Teile: Für einen englischen Produktnamen oder ein zitiertes Herstellerzitat wählen Sie im Bedienfeld „Tags“ den Tag, dann Optionen > Eigenschaften und in der Liste Sprache die Sprache. Das entspricht WCAG 3.1.2 Sprache von Teilen.
Dokumenttitel: Hamburger-Menü (Windows) oder Datei (macOS) > Dokumenteigenschaften, unter Beschreibung das Feld Titel ausfüllen, dann unter Ansicht beim Öffnen bei Anzeigen die Option Dokumenttitel wählen und OK. Die PDF Association nennt beides als Anforderung von PDF/UA-1: ein Titel in den Metadaten und eine Anzeige des Titels statt des Dateinamens. Nehmen Sie einen sprechenden Titel wie „Preisliste Gartenmöbel 2026“, nicht „Preisliste_final_v3“.
Schritt 8: Prüfen, erst in Acrobat, dann mit PAC
In Acrobat: Alle Werkzeuge > Für Barrierefreiheit vorbereiten > Barrierefreiheit überprüfen, Optionen wählen, Prüfung starten. Laut Adobe erhält jede Regel einen Status: „Bestanden“, „Von Benutzer übersprungen“, „Manuelle Überprüfung erforderlich“ oder „Fehlgeschlagen“. Über das Auslassungszeichen neben einem Fehler kommen Sie zu Korrekturen. Die Regel „Logische Lesereihenfolge“ kann Acrobat nicht selbst prüfen; sie steht unter „Manuelle Überprüfung erforderlich“, solange Sie sie in den Optionen nicht abwählen.
Mit PAC: Der PDF Accessibility Checker ist ein kostenloser Download, aktuell PAC 2026.1 (Version 26.1.0.0 vom 25. März 2026), für Windows 10 und Windows 11. Für das Taggen sind neben dem Prüfbericht zwei Ansichten besonders nützlich:
- Logische Struktur: zeigt laut PAC-Kurzanleitung „die komplette Struktur des PDF-Dokuments in Form eines Tag-Baums“. Mit Seitenansicht vergleichen Sie Baum und Seite, mit Eigenschaften die Angaben eines Tags, mit Rollenzuordnungen die Zuordnung eigener Tag-Namen.
- Artefakte: In der Ansicht „Logische Struktur“ links auf Artefakte klicken, eine Seite aufklappen und ein Element wählen (PAC-Kurzanleitung). So sehen Sie auf einen Blick, ob versehentlich etwas mit Aussage im Hintergrund gelandet ist.
Dazu kommt die Screenreader-Vorschau, laut PAC „eine visuelle Darstellung der Struktur, die ein Screenreader beim Lesen der Seite“ wahrnimmt. Wie Sie den PAC-Bericht Zeile für Zeile lesen und ein Prüfprotokoll anlegen, zeigt unser Ratgeber PDF-Barrierefreiheit prüfen.
Ein grünes Ergebnis heißt nur, dass die automatisch prüfbaren Punkte stimmen. Ob eine Überschrift wirklich eine Überschrift ist und ob die Reihenfolge Sinn ergibt, beurteilen Sie selbst, am besten, indem Sie sich die Datei einmal mit einem Screenreader vorlesen lassen, wie es das W3C in Technik PDF3 als Test vorsieht.
Wann Sie aufhören sollten zu taggen
Nach unserer Einschätzung kippt der Aufwand bei drei Mustern: viele komplexe Tabellen, mehrspaltige Layouts über viele Seiten und Dateien, die sich regelmäßig ändern. Im dritten Fall taggen Sie jede neue Fassung wieder von vorn, während eine sauber strukturierte Quelldatei beim nächsten Export dieselben Tags erneut erzeugt. Adobe sagt dasselbe zum Leserichtungswerkzeug: Korrekturen in der Ausgangsdatei ersparen es, „zukünftige Iterationen der PDF-Datei in Acrobat“ wiederholt zu korrigieren.
Checkliste: PDF-Tagging
- Kopie der PDF gespeichert
- Tags vorhanden, entweder aus dem Export oder aus PDF automatisch Tags hinzufügen
- Bericht zum Hinzufügen von Tags abgearbeitet
- Jede Seite in der Einzelseitenansicht mit Seiteninhaltsgruppen anzeigen geprüft, Mehrspalter besonders
- Tags-Baum mit Inhalt markieren von oben nach unten gelesen; Reihenfolge entspricht der Leselogik
- Jeder sichtbare Inhalt hat einen Tag oder ist Artefakt (Optionen > Suchen nach nicht markiertem Inhalt)
- Überschriften als <H1> bis <H6>, ohne übersprungene Ebene
- Listen als <L> mit <LI> und <LBody>, Aufzählungszeichen oder Nummern in <Lbl>
- Tabellen mit <TR>, Kopfzellen als <TH>, verbundene Zellen mit ColSpan oder RowSpan
- Jede <Figure> mit Alternativtext; reine Dekoration als Artefakt
- Kopf- und Fußzeilen, Seitenzahlen, Linien und wiederholte Logos als Artefakt
- Keine Information nur in einem Artefakt
- Eigene Tag-Namen über die Rollenzuordnung einem Standard-Tag zugeordnet
- Dokumentsprache gesetzt, fremdsprachige Stellen mit eigener Sprache
- Dokumenttitel eingetragen und als Titel beim Öffnen angezeigt
- Acrobat-Prüfung ohne „Fehlgeschlagen“, manuelle Punkte selbst geprüft
- PAC ohne Fehler; Logische Struktur, Artefakte und Screenreader-Vorschau angesehen
Ihr nächster Schritt
Ihre PDFs sind ein Teil des Shops, die Seiten selbst der größere. Der Gratis-Scan prüft Startseite, Produktseite und Warenkorb und zeigt, was zuerst behoben werden sollte. PDF-Dateien prüft er nicht, und wie jeder automatische Test findet er nur einen Teil der Barrieren. Für Ihre PDFs bleiben Acrobat und PAC die Werkzeuge der Wahl.
Stand: 27.10.2026. Quellen gelesen am 27.10.2026.