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Ratgeber

PDF Barrierefreiheit prüfen: PAC-Bericht lesen, Checkliste und Prüfprotokoll

Veröffentlicht am 15. Oktober 2026

Sie prüfen die Barrierefreiheit einer PDF in zwei Durchgängen: zuerst automatisch mit dem kostenlosen PDF Accessibility Checker (PAC), dann von Hand anhand einer Checkliste, weil kein Werkzeug beurteilen kann, ob Alternativtexte, Überschriften und Lesereihenfolge inhaltlich stimmen. Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie den PAC-Bericht lesen, was die häufigsten Meldungen bedeuten, wie die manuelle Prüfung abläuft und wie Sie das Ergebnis in einem Prüfprotokoll festhalten.

Was PDF/UA ist, welche Shop-PDFs unter das BFSG fallen und wie Sie PAC installieren und eine Datei prüfen, erklärt der Ratgeber Barrierefreie PDF nach PDF/UA. Dort finden Sie auch den Ablauf der Acrobat-Prüfung und eine Tabelle mit Reparaturwegen. Hier geht es um den Schritt danach: das Ergebnis richtig deuten.

Den PAC-Bericht lesen

Nach der Prüfung zeigt PAC zuerst den zusammenfassenden Bericht. Laut Kurzanleitung des Herstellers haben Sie danach sechs Ansichten: zusammenfassender Bericht, Detail-Bericht, Screenreader-Vorschau, Dokumentstatistik und zwei Ansichten der logischen Struktur (Strukturelemente und dekorative Elemente). Die aktuelle Version ist laut Hersteller PAC 2026.

Die vier Bereiche: PDF/UA, WCAG, Qualität, KI

Über vier Schaltflächen schalten Sie zwischen den Ergebnisgruppen um. Sie sind nicht gleich verbindlich:

BereichWas geprüft wirdWie Sie das Ergebnis behandeln
PDF/UAdie automatisch prüfbaren Anforderungen der Norm PDF/UAFehler hier sind formale Normverstöße und müssen behoben werden.
WCAGdie automatisch prüfbaren Anteile der WCAG, etwa Kontrast von TextenFehler beheben; viele WCAG-Fragen bleiben trotzdem Handarbeit.
Qualitätmögliche Fehler, etwa „Gültigkeit des Dokumenttitels“ oder „Vorhandensein von Überschriften“Laut PAC „keine offiziellen technischen Kriterien“. Jeden Hinweis selbst bewerten.
KIAbgleich der getaggten Struktur mit dem, was auf der Seite zu sehen ist, etwa eine optische Überschrift ohne Überschriften-TagLaut PAC „unterstützende Hinweise“; prüft weder Alternativtexte noch Lesereihenfolge.

Die Bundesfachstelle Barrierefreiheit sagt zu den Qualitätswarnungen, sie seien „nicht automatisch Fehler“, und empfiehlt, die KI-Ergebnisse von einem Menschen auswerten zu lassen. Sie nennt auch ein Beispiel für einen Fehlalarm: Die KI kann Überschriften in einem eingefügten Screenshot für Struktur halten. Laut PAC-FAQ läuft das KI-Modell vollständig lokal; Ihre Dokumente verlassen den Rechner nicht.

Was die Symbole bedeuten

Jeder Prüfpunkt erhält einen Status. So lesen Sie ihn:

Status in PACBedeutung laut HerstellerIhr nächster Schritt
Bestanden (grüner Haken)automatisch geprüft, kein Problem gefundenFür PDF/UA und WCAG heißt das nur: Die automatisch prüfbaren Anforderungen sind erfüllt. Die Handprüfung bleibt.
Warnung (gelbes Dreieck)Inhalt prüfen und gegebenenfalls korrigierenStelle im Detail-Bericht ansehen und entscheiden, ob es ein echtes Problem ist.
Fehler (rotes Kreuz)Problem muss behoben werdenBeheben, dann neu prüfen.
Nicht anwendbar (grauer, durchgestrichener Kreis)Prüfpunkt nicht relevant, weil es keine entsprechenden Elemente gibt (etwa Formularprüfungen bei einer PDF ohne Formular)nichts zu tun
Technischer Fehler (trauriges Gesicht)PAC konnte den Punkt intern nicht prüfen, zum Beispiel Alternativtexte bei defektem TextPunkt von Hand prüfen und die Datei auf Defekte ansehen.

Ein Doppelklick auf einen Prüfpunkt öffnet die passende Stelle im Detail-Bericht. Dort sehen Sie links die Liste, oben rechts die genaue Meldung und unten rechts die betroffene Seite. Zu jedem Eintrag zeigt PAC, wie viele Elemente betroffen sind.

Wichtig zur Einordnung: Grüne Haken bei PDF/UA und WCAG bedeuten laut PAC-FAQ nur, dass alle automatisch prüfbaren Anforderungen erfüllt sind. Das Prüfergebnis kann nach derselben Quelle „keine rechtliche Verbindlichkeit aufweisen, ist aber ein Indikator“.

Typische Meldungen und was sie bedeuten

Der Prüfkatalog BIT inklusiv PDF-Testvorgehen (Version 1.4, Stand Juni 2025) zitiert die PAC-Meldungen im Wortlaut und ordnet sie Prüfschritten zu. Die folgenden Meldungen tauchen bei Shop-PDFs aus Word oder Katalogsoftware häufig auf. Der genaue Wortlaut kann je nach PAC-Version leicht abweichen.

Meldung (Wortlaut laut Prüfkatalog)Was sie bedeutetWas Sie tun
„PDF-Dokument ist nicht als getaggt gekennzeichnet“Die Datei hat keine Struktur. Ein Screenreader bekommt nur eine Zeichenfolge.Neu aus der Quelle exportieren, mit Tags. Fast alle anderen Prüfungen sind sonst wertlos.
„Kein Titel in den XMP Metadaten vorhanden“Der Dokumenttitel fehlt. In der Zusammenfassung steht dann „(kein Titel)“.Titel in den Dokumenteigenschaften setzen.
„"DisplayDocTitle"-Eintrag ist nicht gesetzt“Beim Öffnen erscheint der Dateiname statt des Titels.Einstellung so ändern, dass der Dokumenttitel angezeigt wird.
„Natürliche Sprache eines Textobjekts nicht definiert“Für einen Textteil ist keine Sprache hinterlegt. In der Zusammenfassung steht bei fehlender Hauptsprache „(keine Sprache)“.Hauptsprache des Dokuments setzen, zum Beispiel de-DE.
„"Figure"-Strukturelement ohne Alternativtext“Ein als Abbildung getaggtes Bild hat keine Beschreibung.Alternativtext ergänzen oder, wenn das Bild reine Deko ist, als Artefakt markieren.
„Nicht getaggtes Bildobjekt“ (ebenso Text- oder Pfadobjekt)Inhalt liegt außerhalb der Struktur.Entscheiden: informativ, dann taggen und beschreiben; dekorativ, dann Artefakt.
„Überschrift überspringt eine oder mehrere Ebenen“Etwa H1 direkt gefolgt von H3.Gliederung prüfen; meist in der Quelldatei die Formatvorlagen korrigieren.
„Erste Überschrift ist nicht auf der ersten Ebene“Das Dokument beginnt nicht mit H1.Hauptüberschrift als Überschrift 1 auszeichnen.
„Mögliche unangebrachte Verwendung des Strukturelements …“Eine Warnung, kein sicherer Fehler: PAC vermutet, dass ein Tag nicht zum Inhalt passt, etwa ein leerer Absatz.In der Screenreader-Vorschau ansehen und selbst entscheiden.
„Kopfzelle ohne zugewiesene Unterzellen“, „Irreguläre Tabellenzelle“Die Tabellenstruktur ist unvollständig oder ungleichmäßig.Tabelle von Hand prüfen, siehe Checkliste unten.
„Text mit unzureichendem Kontrast“Textfarbe und Hintergrund liegen zu nah beieinander.Farben ändern; Grafiken mit Schrift zusätzlich mit einem Kontrastwerkzeug messen.
„Schrift ist nicht eingebettet“Eine Schriftart fehlt in der Datei.Beim Export Schriften einbetten.
„Keine PDF/UA-Kennzeichnung“Die Datei erklärt sich nicht als PDF/UA.Kennzeichnung setzen, aber erst, wenn alles andere stimmt.
„Sicherheitseinstellungen blockieren assistiven Technologien den Zugriff auf das Dokument“Die Sicherheitseinstellungen, etwa ein Kopier- oder Passwortschutz, verweigern Screenreadern den Zugriff. Der Prüfkatalog bewertet das als Blockade.Schutz entfernen oder so einstellen, dass Hilfsmittel lesen dürfen.

Fehler oder Warnung? Als Faustregel nach unserer Lesart des Prüfkatalogs: Meldungen, die mit „Mögliche …“ beginnen, und alle Qualitäts- und KI-Hinweise sind Prüfaufträge an Sie. Meldungen zu fehlenden Tags, Titel, Sprache, Alternativtexten, Schriften und Sicherheitseinstellungen sind echte Fehler. Ein vorhandener Alternativtext ist dagegen nur formal erledigt: Ob er passt, prüft keine Software.

Wie Sie die Fehler in Word oder Acrobat beheben, beschreibt der Ratgeber PDF barrierefrei machen: selbst in Acrobat oder machen lassen?.

Checkliste für die manuelle Prüfung

Die Bundesfachstelle schreibt, dass eine PDF den PAC-Test bestehen und für Screenreader trotzdem schlecht zugänglich sein kann. Arbeiten Sie deshalb nach der automatischen Prüfung diese Punkte ab. Die meisten erledigen Sie in PAC selbst: in der Screenreader-Vorschau, die grafisch zeigt, was ein Screenreader wahrnimmt, und im Fenster Logische Struktur, das den Tag-Baum neben der Seite zeigt.

Nr.PrüfpunktSo prüfen SieIn Ordnung, wennBezug
1LesereihenfolgeScreenreader-Vorschau Seite für Seite mit der gedruckten Ansicht vergleichenText springt nicht zwischen Spalten, Kästen und Fußzeilen hin und herWCAG 1.3.2
2ÜberschriftenÜberschriften in der Vorschau durchgehenjede sichtbare Überschrift ist als Überschrift getaggt, die Ebenen passen zur GliederungWCAG 1.3.1
3Alternativtextejede Abbildung anklicken und den Text lesender Text sagt, was das Bild für das Verständnis beiträgt; kein „Bild1“, kein DateinameWCAG 1.1.1
4Dekorative Elementein der Logischen Struktur die Artefakte ansehenLinien, Hintergründe und wiederholte Logos sind Artefakte; nichts Inhaltliches ist darunterWCAG 1.1.1
5Text als Bildprüfen, ob Überschriften, Preise oder Tabellen als Grafik eingefügt sindwichtiger Text ist echter Text, kein BildWCAG 1.4.5
6TabellenPreis- oder Größentabelle in der Vorschau Zelle für Zelle lesenjede Datenzelle hat erkennbar ihre Spalten- und Zeilenüberschrift; keine Layout-TabellenWCAG 1.3.1
7ListenAufzählungen ansehensie sind als Liste getaggt, nicht als einzelne Absätze mit SpiegelstrichWCAG 1.3.1
8Linksjeden Link in der Vorschau prüfenLinktext ist verständlich, der Link ist getaggtWCAG 2.4.4
9HauptspracheZusammenfassung und DokumenteigenschaftenHauptsprache ist gesetzt und stimmt, bei deutschen Texten etwa de-DEWCAG 3.1.1
10Sprachwechselfremdsprachige Absätze oder Zitate suchensie tragen eine eigene Sprachangabe (Eigennamen und Fachbegriffe ausgenommen)WCAG 3.1.2
11TitelDatei öffnen und Fensterleiste ansehenein sprechender Titel erscheint, nicht der DateinameWCAG 2.4.2
12Kontrastverdächtige Farben, vor allem Schrift in Grafiken, mit dem Colour Contrast Analyser messenmindestens 4,5:1, bei großer Schrift (ab 18 Punkt oder 14 Punkt fett) mindestens 3:1WCAG 1.4.3
13Farbe als einziges MerkmalHinweise wie „rot markierte Artikel“ suchendie Information ist auch ohne Farbe erkennbarWCAG 1.4.1
14LesezeichenLesezeichenleiste im PDF-Programm öffnenvorhanden, wenn das Dokument Überschriften hat; Ziele stimmen, Reihenfolge folgt den ÜberschriftenPDF/UA
15Gescannter TextText mit der Maus markieren oder in der Vorschau lesender Text ist echter Text, eine Texterkennung ist fehlerfreiWCAG 1.3.1

Formulare zum Ausfüllen brauchen zusätzlich eine Tastaturprüfung; der BIT-inklusiv-Prüfkatalog führt dafür eigene Prüfschritte.

Die Bundesfachstelle betont außerdem, dass bei der Prüfung Menschen mit Behinderungen mitwirken sollten, weil sonst ein „rein theoretisches Ergebnis“ entstehe. Für wichtige Dokumente lohnt sich ein solcher Test, etwa mit einem Kunden, der einen Screenreader nutzt.

Prüfwerkzeuge im Vergleich

Neben PAC gibt es weitere kostenlose Prüfer. Sie prüfen nicht dasselbe:

PAC 2026veraPDFaxesCheckColour Contrast Analyser
ZweckPDF/UA- und WCAG-Prüfung mit SichthilfenValidator für PDF/A und PDF/UAOnline-Prüfung im BrowserFarbkontrast messen
Kostenkostenlos, laut FAQ auch gewerblich unter Einhaltung von Punkt 7.2 der AGBquelloffen (verapdf.org)keine Angabe auf der Seitekostenlos (Vispero)
Betriebssystemnur Windows; Mac-Version laut FAQ in EntwicklungWindows, macOS, Linux (Installation)BrowserWindows, macOS
PrüfgrundlagePDF/UA, WCAG, dazu Qualitäts- und KI-HinweisePDF/UA-1, PDF/UA-2, PDF/A; bei PDF/UA nur maschinell prüfbare Regeln (Validation)PDF/UA nach Matterhorn-Protokoll und WCAG A und AA (axesCheck)WCAG-Kontrastwerte
PDF 2.0 und PDF/UA-2laut FAQ nur „Best-Effort“, PDF/UA-2 geplantjakeine Angabenicht relevant
Hilft bei der HandprüfungScreenreader-Vorschau, Logische Struktur, Dokumentstatistikneinneinja, für Kontrast
Bericht zum AblegenExport als barrierefreie PDF (Anleitung)als HTML- oder XML-Bericht (GUI)ohne den Detail-Bericht von PACnein
Datei verlässt den Rechnernein, PAC greift nicht auf das Internet zunein, lokale InstallationPrüfung über die Website; Umgang mit der Datei dort nicht beschriebennein

Acrobat Pro nennt der BIT-inklusiv-Prüfkatalog als Werkzeug für Korrekturen; es bringt außerdem eine eigene Barrierefreiheitsprüfung mit. Acrobat Pro ist ein kostenpflichtiges Abo, das sich kostenlos testen lässt. Wie Sie die Acrobat-Prüfung starten und was ihre vier Statusarten bedeuten, steht im Ratgeber zu PDF/UA.

Welches Werkzeug für wen?

Das Prüfprotokoll

Ein Protokoll hält fest, welche Datei Sie wann womit geprüft haben und was offen ist. Das hilft, wenn eine Datei später geändert wird, wenn ein Kunde eine Barriere meldet oder wenn Sie Ihre Barrierefreiheitserklärung aktuell halten. Der BIT-inklusiv-Prüfkatalog bewertet jeden Prüfschritt mit einer von sechs Stufen: nicht anwendbar, erfüllt, leichte Einschränkung, Einschränkung, Barriere, Blockade. Diese Stufen eignen sich auch für Ihr Protokoll.

Kopf des Protokolls:

FeldEintrag
DateiDateiname und Version, z. B. agb-2026-10.pdf
Fundort im ShopSeite, auf der die PDF verlinkt ist
Seitenzahl
Geprüft am, von
Werkzeuge und Versionz. B. PAC 2026, Colour Contrast Analyser 3.5.5
Automatisches ErgebnisPDF/UA: Fehler ja/nein; WCAG: Fehler ja/nein; Zahl der Warnungen
Angehängtexportierter PAC-Prüfbericht als PDF

Zeilen für die Handprüfung:

Nr.PrüfpunktBewertungFundstelleMaßnahmeErledigt am
1Lesereihenfolge
2Überschriften
3Alternativtexte
…weitere Punkte aus der Checkliste

Beispiel, ausgefüllt für eine fiktive Größentabelle: Prüfpunkt 6 „Tabellen“, Bewertung „Barriere“, Fundstelle „Seite 2, Tabelle Schuhgrößen“, Maßnahme „Kopfzeile in Word als Überschriftenzeile wiederholen, neu exportieren“, Erledigt am „leer“. Nach der Korrektur prüfen Sie erneut mit PAC und in der Screenreader-Vorschau und tragen das neue Ergebnis ein.

Legen Sie Protokoll und PAC-Bericht zusammen mit der geprüften PDF ab. Jede neue Fassung der Datei bekommt ein neues Protokoll.

Ihr nächster Schritt

Ihre PDFs prüfen Sie mit PAC und der Checkliste oben. Für die Seiten Ihres Shops gibt es den kostenlosen Scan: Ein kostenloser Scan prüft Startseite, Produktseite und Warenkorb automatisch gegen die Regeln der WCAG 2.2 und zeigt, ob Barrierefreiheitserklärung und Meldeweg verlinkt sind. PDFs prüft er nicht. Wie Sie Webseiten über den Scan hinaus testen, beschreibt der Ratgeber Website-Barrierefreiheit prüfen.

Dieser Ratgeber ist keine Rechtsberatung.

Stand: 15.10.2026. Quellen gelesen am 15.10.2026.

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